Globalisierungskritiker verteilen 150.000 Plagiate der „Zeit“

Am Samstag sorgte das Netzwerk von Globalisierungskritikern „Attac“ mit einer wirkungsvollen Werbekampagne für Furore. Sie verteilten bundesweit 150.000 Exemplare ihrer gefälschten Ausgabe der „Zeit“ – die Fälschung war nicht nur auf die bekannte Wochenzeitung bezogen, sondern durchaus wortwörtlich zu nehmen: Das achtseitige Plagiat ist auf den 1.Mai 2010 datiert und will mit Zukunftsvisionen in den Schlagzeilen wachrütteln.

Ziel der gelungenen Aktion sei es, die Leser dazu anzuregen, sich politisch zu engagieren, zitiert das Abendblatt Jutta Sundermann, Mitbegründerin des Verbunds. Mit der Fälschung wolle Attac ein Bild zeichnen, wie eine Welt aussehen könnte, in der Globalisierungskritiker die Oberhand gewonnen haben.

Der Titelschlagzeile „Am Ende des Tunnels“ folgen Themen wie „Klimasünder werden zur Kasse gebeten“, „viele Banken sind verstaatlicht“ und „globale Strukturen werden neu gestaltet.“ Zugleich mit der Verteiler-Aktion stellte Attac auch eine Internetseite ins Netz, die der von „Zeit Online“ optisch gekonnt glich.

Bei der „Zeit“ gibt man sich über den Vorfall gelassen. Man habe nicht vor, rechtliche Schritte gegen die globalisierungskritische Gruppe einzuleiten, heißt es von den Pressesprechern. Vielmehr zeigt sich „Zeit Online“-Chefredakteur Wolfgang Blau „beeindruckt von der Qualität der Kopien“, Verlagssprecher geben sich geschmeichelt und führen die Wahl von Attac auf ihre Wochenzeitung auf die hohe Auflage ihrer „überregionalen Qualitätszeitung“ zurück.

Die Kritik, die Attac im Editorial seiner Ausgabe an den Machern des Originals übt, ließ der Verlag bislang jedoch weitgehend unkommentiert. Blau betonte lediglich, Globalisierungsthemen seien der „Zeit“ ein besonderes Anliegen. Das Netzwerk wirft der Wochenzeitung vor, sich selbst als „Teil der Macht“ zu verstehen und als Journalisten „mit am Tisch“ sitzen, anstatt „zu berichten und kritische Fragen zu stellen.“

Die Aktion hatte wohl eine amerikanische Vorlage: Im November 2008 wurde in New York eine ähnliche Kampagne durchgeführt, die hoffnungsfrohe die Schließung Guantánamos und das Ende des Irak-Krieges ankündigte.

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